Es ist ein Szenario, das jeder Installationsleiter fürchtet, das aber viele kennen: Die neue LED-Beleuchtung wird eingeschaltet oder ein schwerer Transformator in Betrieb genommen, und schon brennt der Schutzschalter durch. Das sorgt für Verwirrung, denn laut Spezifikation bleibt die Leistung weit unter den Grenzen der Absicherung.
Der Schuldige ist oft eine unsichtbare, aber zerstörerische Kraft: der Einschaltstrom. Diese kurzzeitige Stromspitze kann bis zu 100-mal höher sein als der Nennstrom, was zu unnötigen Ausfallzeiten, Verschleiß und Sicherheitsrisiken führt. In diesem Artikel erklären wir, wie diese Spitzen entstehen, warum eine blinde Überlastung von Sicherungen lebensgefährlich ist und wie Sie die Betriebssicherheit Ihrer Anlage mit den richtigen Mess- und Filtertechniken sicherstellen können.
Was ist das: Eine kurze, sehr hohe Stromspitze beim Einschalten von Geräten (oft das 10- bis 100-fache des Nennstroms).
Die Gefahr: Ungerechtfertigtes Auslösen von Schutzgeräten, Spannungseinbrüche und beschleunigte Alterung von Komponenten.
Die Lösung: präzise Wellenformmessung, Anwendung von Einschaltstrombegrenzern, Softstartern oder phasengesteuerten Schaltungen.
HyTEPS-Ratschlag: Ersetzen Sie niemals einfach eine Sicherung durch einen schwereren Typ, ohne eine Kabelberechnung durchzuführen; dies führt zu Brandgefahr.
Dieser Artikel richtet sich an Fachleute, die für die Kontinuität und Sicherheit von elektrischen Anlagen verantwortlich sind:
Definition und Mechanismus Einschaltstrom (englisch: Inrush Current) ist der maximale, momentane Eingangsstrom, den ein elektrisches Gerät in dem Moment aufnimmt, in dem es eingeschaltet wird. Dieser Stromstoß dauert oft nur wenige Millisekunden bis Sekunden, kann aber ein Vielfaches des normalen Betriebsstroms (Nennstrom) betragen.
Ein einfacher Vergleich ist, als würde man ein schweres, massives Stahlgittertor aufschieben. Um das Tor in Bewegung zu setzen, muss man in der ersten Sekunde eine extreme Kraft (den Einschaltstrom) aufbringen. Sobald sich das Tor bewegt, ist nur noch sehr wenig Kraft erforderlich, um es offen zu halten (der Nennstrom). Wenn Ihre "Stromquelle" (die Schutzvorrichtung) diesen ersten Anstoß nicht bewältigen kann, stoppt der Prozess sofort.
Technisch gesehen unterscheiden wir oft zwischen zwei Ursachen, die von der Last abhängen:
Das Ignorieren hoher Einschaltströme wird oft als "Schönheitsfehler" angesehen, aber die Folgen für Ihre Anlage sind real und kostspielig.
Nuance: Nicht jeder Stromstoß ist problematisch. Auch ein Staubsauger zu Hause verursacht eine Lichtdelle. In einer industriellen Umgebung jedoch, wo die Spielräume kleiner und die Leistungen höher sind, ist die Toleranz minimal.
Woher wissen Sie, ob der Einschaltstrom der Schuldige ist und nicht ein Erdschluss oder eine Überlast? Achten Sie auf diese Signale:
Die Umstellung von konventioneller Beleuchtung auf LED ist die häufigste moderne Ursache für Einschaltprobleme. LED-Leuchten (Treiber) enthalten Kondensatoren. Ein einziges LED-Panel ist kein Problem, aber in großen Hallen werden oft Hunderte von Panels auf eine Gruppe gestellt.
Beim Einschalten eines Transformators (z. B. im industriellen oder medizinischen Bereich) ist der Zeitpunkt der Sinuswelle entscheidend.

HyTEPS verfügt über spezielle Geräte, die extrem kurze Einschaltströme messen können. Leider ist es fast unmöglich, Einschaltströme mit normalen Messgeräten zu messen. In dem rechts abgebildeten Diagramm einer LED-Lampe werden bei einem Nennstrom von 45 mA Spitzenwerte von mehr als 10 A gemessen. Die extrem kurze Dauer des Spitzenstroms erschwert seine Messung. Darüber hinaus ist eine gründliche Analyse erforderlich, um zu wissen, wie viel Energie in der Spitze enthalten ist. Dieser Wert kann bestimmt werden, wenn die Spitze selbst ausreichend genau gemessen wird. Dies erfordert spezielle Kenntnisse und Geräte.

Ein Stopp- oder Anlageschutzschalter hat eine Ansprechkurve. Einschaltströme liegen oft außerhalb dieser Ansprechkurve, da sie nur von sehr kurzer Dauer sind. Deshalb kann bis zum 5- bis 20-fachen des Nennstroms durch einen Leistungsschalter fließen.
Wenn ein Schutzschalter vor Einschaltströmen schützen würde, könnte das Gerät nie einschalten. Aus diesem Grund neigen Installateure dazu, bei Problemen mit Einschaltströmen einen "größeren" Schutzschalter (Typ D) einzubauen. Dadurch wird die Ursache jedoch nicht behoben, und es bleibt ein zusätzlicher Verschleiß anderer Komponenten in der Anlage wie Schaltrelais und Verkabelung.
Es ist auch möglich, dass ein Fehlerstromschutz auslöst. Dies wird z. B. durch einen EMV-Filter verursacht, bei dem während der Aktivierung ein kleiner Strom durch den Schutzleiter fließen kann.
Eine blinde Gewichtung von Sicherungen ist selten die richtige Lösung und kann sogar gefährlich sein (siehe: Häufige Fehler). Wählen Sie einen gezielten Ansatz.
Fehler 1: Den Schutzschalter "nur" schwerer machen. Warum der Fehler? Wenn Sie eine 16-A-Sicherung durch eine 32-A-Sicherung ersetzen, ohne die Verkabelung anzupassen, schaffen Sie eine Brandgefahr. Das Kabel ist nicht dafür ausgelegt, die höheren Ströme bei dauerhafter Überlast zu bewältigen.
Irrtum 2: Sie denken, dass "wirtschaftlich" auch "stromsparend" bedeutet. Warum dieser Irrtum? Eine LED-Lampe ist sparsam im Verbrauch (kWh), aber aggressiv beim Einschalten. Der Nennstrom sagt nichts über die Einschaltspitze aus.
Fehler 3: Messung mit einem Standardmultimeter. Warum dieser Fehler? Ein Standardmultimeter ist zu langsam. Sie sehen "10 Ampere" auf dem Bildschirm, während in Wirklichkeit 400 Ampere für 2 Millisekunden fließen. Sie brauchen hochentwickelte Power Quality-Analysatoren mit einer hohen Abtastrate.
Einschaltströme können oft selbst gelöst werden, aber in komplexen Situationen ist Spezialwissen erforderlich. Beauftragen Sie uns, wenn:
Unsere Ingenieure analysieren Ihre Anlage mit High-End-Messgeräten und Simulationen und können so gezielt die Ursache finden. Dadurch werden ungeplante Ausfallzeiten vermieden und die Betriebssicherheit erhöht.
Oberschwingungsbelastung: Wie nichtlineare Lasten Ihre Spannungsqualität verzerren.
Spannungseinbrüche (Voltage Sags): Die Folgen von kurzen Spannungsunterbrechungen.
Blendende Leistung: Optimieren Sie Ihren Energietransport.
Messungen der Netzqualität: Wie wir das Unsichtbare sichtbar machen.
Aktive Oberschwingungsfilter: Lösungen für verschmutzte Netze.
Raten Sie nicht länger über die Ursache von Ausfällen. Kontaktieren Sie unsere Ingenieure für eine unverbindliche Untersuchung Ihrer Situation oder vereinbaren Sie gleich einen Termin für eine Power Quality-Messung.
HyTEPS
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