Ein Lichtbogen ist einer der verheerendsten Vorfälle, die in einer Elektroinstallation auftreten können. Neben der unmittelbaren Lebensgefahr für Personen führt er oft zur völligen Zerstörung von Schaltanlagen und zu langen Ausfallzeiten. Verstehen beginnt nicht mit Raten, sondern mit Rechnen.
Als Installationsleiter oder Ingenieur ist es Ihre Aufgabe, für Sicherheit zu sorgen. Eine gründliche Störlichtbogenstudie liefert Ihnen die Daten, die Sie benötigen, um die richtige PSA auszuwählen und Ihre Sicherheitseinstellungen zu optimieren. Vermeiden Sie falsche Sicherheit; stützen Sie Ihre Sicherheitspolitik auf Fakten.
Sie haben wenig Zeit? Dies sind die wichtigsten Punkte, die jeder technische Fachmann wissen muss:
Diese Wissensseite richtet sich an Fachleute, die für die Sicherheit und Kontinuität von elektrischen Starkstromanlagen (Nieder- und Mittelspannung) verantwortlich sind:
Ein Lichtbogen (auf Englisch: Arc Flash) ist im Grunde ein Kurzschluss, der nicht durch eine feste Verbindung, sondern durch die Luft geht. Stellen Sie sich das wie einen Blitz vor, der aber in Ihrem Verteiler oder Ihrer Schalttafel eingeschlossen ist. Die Luft, die normalerweise isoliert, ionisiert und wird zu einem Plasmaleiter.
Die Gleichung: Stellen Sie sich einen Kurzschluss wie einen Wasserhahn vor, der aufbricht und Wasser verspritzt. Ein Lichtbogen ist wie dieses Wasser, das sich sofort in Dampf verwandelt und das gesamte Badezimmer in die Luft jagt. Es geht nicht nur um Strom, sondern um eine explosionsartige Freisetzung von Energie.
Warum ist der Umgang mit Lichtbögen so wichtig?
Die Auswirkungen eines Störlichtbogens werden oft unterschätzt. Die Folgen sind dreifach:
Personenschäden: Hitze ist intensiver als die Oberfläche der Sonne. Schon in einigen Metern Entfernung kann es zu tödlichen Verbrennungen kommen, ganz zu schweigen von den Schäden, die durch die Druckwelle (Arc Blast), umherfliegendes Kupfer und Blendung entstehen.
Wirtschaftlicher Schaden: Ein Verteiler, in dem ein Lichtbogen entstanden ist, ist oft ein Totalschaden. Der Austausch von bestimmten Komponenten (wie Sammelschienensystemen oder Leistungsschaltern) kann Wochen bis Monate dauern.
Compliance und Haftung: Als Arbeitgeber sind Sie verpflichtet, eine sichere Arbeitsumgebung zu schaffen. Ohne aktuelle Lichtbogenberechnungen und entsprechende Kennzeichnung erfüllen Sie möglicherweise nicht die RI&E-Verpflichtungen.

Ein Lichtbogen selbst ist ein plötzliches Ereignis, aber die Risikofaktoren sind oft schon lange in Ihrer Anlage vorhanden. Achten Sie bei Inspektionen auf die folgenden Anzeichen:
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Statistiken zeigen, dass ein erheblicher Anteil der Vorfälle während des Betriebs (Wartung, Messungen, Umschaltung) auftritt.

Das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) kann einen Lichtbogen zwar nicht verhindern, aber es entscheidet über den Unterschied zwischen einem "Schrecken" und einem lebensbedrohlichen Trauma. In der Sicherheitshierarchie ist sie der letzte Schritt (letzter Ausweg), aber ein entscheidender.
Keine Baumwolle oder Polyester Standard-Arbeitskleidung ist bei einem elektrischen Lichtbogen gefährlicher als keine Kleidung. Synthetische Stoffe schmelzen direkt auf der Haut und verschlimmern Verbrennungen. Lichtbogenfeste Kleidung (Arc Rated) ist selbstverlöschend und wärmeisolierend.
Auswahl auf der Grundlage von Fakten (Kategorien) Sie wählen PSA nicht auf der Grundlage von Vermutungen ("nehmen Sie einfach den schwersten Anzug"), sondern auf der Grundlage der berechneten einfallenden Energie (cal/cm²). Zu schwere Kleidung ist unangenehm und erhöht das Risiko von Fehlern aufgrund von Hitzestress oder eingeschränkter Sicht.

Die Beseitigung von Lichtbogenrisiken beginnt mit der Einsicht. Es gibt keine "Einheitslösung", sondern ein mehrschichtiges Vorgehen ist erforderlich.
1. Die Grundlagen: Störlichtbogenstudie
Man kann Risiken nicht beherrschen, wenn man sie nicht quantifiziert. Eine Lichtbogenberechnung, die häufig nach der US-Norm IEEE 1584 durchgeführt wird, berechnet die einfallende Energie an verschiedenen Punkten in Ihrer Anlage.
2. Technische Maßnahmen (Hardware & Einstellungen)
3. Betriebliche Maßnahmen

1. Quick wins (Einstellungen & Wartung):
Dieses Etikett muss gemäß NEN 3140 und internationalen Normen (z. B. NFPA 70E) deutlich an jedem Verteiler angebracht werden. Es informiert den Techniker auf einen Blick:

Hinweis: DC-Installationen und Kennzeichnungen Wir sehen zunehmend Lichtbogenrisiken in DC-Umgebungen (Gleichstrom), wie z. B. in großen Batteriespeichersystemen (BESS), Rechenzentren oder PV-Anlagen. Ein Gleichstromlichtbogen verhält sich anders als ein Wechselstromlichtbogen und ist oft schwieriger zu unterbrechen (kein Nulldurchgang). Standard-Wechselstromberechnungen reichen hier nicht aus; stellen Sie sicher, dass Ihre Kennzeichnungen auf spezifischen Gleichstrom-Simulationsmodellen basieren, um falsche Sicherheit zu vermeiden.

Eine Lichtbogenstudie ist komplex. Sie brauchen fachkundige Hilfe, wenn:
Sie zweifeln daran, ob Ihre aktuellen Schutzeinstellungen für die aktuelle Belastung noch richtig sind.
Sie arbeiten mit komplexen Netzstrukturen (Ringe, Notstromaggregate, PV-Anlagen), die Kurzschlussströme beeinflussen.
Die berechnete Lichtbogenenergie in Ihrer Anlage ist so hoch, dass eine Standard-PSA nicht ausreicht (Kategorie "Gefährlich").
Sie suchen nach einem Gleichgewicht zwischen maximaler Sicherheit und Selektivität (Vermeidung unnötiger Ausfälle).

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